Aktuelle Termine:

 

14.11.17 Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange in Leipzig | Beyerhaus

 

11.11.17 Slam in Kulmbach | tba

 

04.11.17 Lesung "Poetenpalaver" in Glashütte | tba

 

27.10.17 Krimi-Slam in Leer | Kulturspeicher

 

24.10.17 Lesebühne Kunstloses Brot in Leipzig // Beyerhaus

 

21.10.17 Lesung anlässlich der Aktion von Thomas Seifert in Leipzig | tba

Pi x Daumen

 

Die Wurzel aus Pythagoras durch drei
Ins Integral der Kurvendiskussion,
Plus Pi mal Daumen, fünf hoch minus zwei:
Nicht definiert. Zurück zur Stammfunktion.

Der Mittelpunkt vom Radius zum Quadrat -
Was haben wir denn hier: Den Vektor Sieben
In Klammern zur Konstante im Spagat:
Den krummen Graphen steil auf x verschieben.

Vom Kosinus binomisch abzuleiten
Sind Höhepunkte, die korrespondieren.
Mit allen Vieren kann man operieren -

Permutationen spalten die Gezeiten
Ins Algebrakadabra quer durchs Quantum.
Und aus und Schluss: Quod erat demonstrandum.


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(Aus: "Ein Suppenkasper gibt den Löffel ab")

Die Schlange

 

Die Hitze wabert wallend über spröden Ackers schwere Schollen -

Sie flackert wie ein seidenes Gewand, das sich im Winde wiegt.

Und wie wenn zähe Flüssigkeit sich schlängelnd in die Landschaft schmiegt,

So kommt der große grüne Python üppig aus dem Nest gequollen.

 

Der kleine fiese Kopf voran, der zischt und züngelnd riecht und fühlt,

Und hintenan der schwere Schweif, beschuppt und endlos langgezogen;

Er zieht sich selbst, grazil und zielbewusst, er lauert ausgewogen,

Da dort im Busch ein fetter Eber schnaubend in der Erde wühlt,

 

Der, rüsselnd nach Gewürm und Aas, in sel’ger Tätigkeit versinkt -

Als plötzlich wie ein Messerstich die Schelte aus der Deckung schnellt,

Dem Opfer wie ein warmer Wickel schlingend um die Gurgel fällt,

 

Das in der Not noch Kräfte schürt und quiekend mit den Schläuchen ringt!

Dann ist’s dahin. Wird gänzlich überstülpt von ausgehangnem Kiefer

Und wandert wie ein Auswuchs durch geschwollnen Mantel tief und tiefer.

 

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(Aus: "Der Teddy mit den losen Kulleraugen"

In deiner Flugbahn

 

In deinen Augen schimmern weiße Tauben -
sie schlagen Flügel, liegen sanft im Wind;
sie sind auf luftig leichtes Spiel getrimmt
und formen sich am Horizont zu Trauben.

In deinen Augen strahlt das kleine Kind -
es fragt nach Früchten und ist fest im Glauben,
dass niemals jemand kommt den Saft zu rauben,
der frisch und süß durch Zellen schwemmt und schwimmt.

Ich will ganz keck an deinem Öhrchen nagen:
aus deinen Muscheln rauscht das weite Meer,
bei dir bin ich es einfach los, das Schwer -

es sind die weißen Flügel, die mich tragen;
die deinem Blick entsprangen und jetzt schlagen
im Herzen Sie - dich geb` ich nicht mehr her.

 

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(Aus: "Ein Suppenkasper gibt den Löffel ab")

Ode an den Vogel: Der Broiler

 

Erst schäl ich meinen Vogel aus der Tüte
und zieh ihm das Gekröse aus der Senke,
wozu ich leicht die Schenkel schon verrenke:
Mein Huhn, es suppt aus unterster Kajüte.

Und da noch steinern, steif die Flügel stehen,
als läg der Frost wie Blei in jeder Zelle,
so kommt es gleich in meine Mikrowelle
und lässt sich auf dem Teller lustig drehen.

“Kawing!“ Nach zehn Minuten reicht es schon.
Ab in den großen Ofen, dessen Hitze
vergräbt sich schwelgend harsch und monoton

in Steiß und Brust, die knackend bräunlich reifen.
Bald ists geschafft: Dann schweige ich und sitze
und reiße weißes Fleisch in schöne Streifen.

 

 

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(Aus: "Der Teddy mit den losen Kulleraugen"