Aktuelle Termine:

 

25.01.18 VideoLyrix in Leipzig | OAP

 

23.01.18 Topical Island Poetry Slam (Orga), Dead vs. Alive, in Leipzig | Beyerhaus

 

16.01.18 Late Night Lounge in Leipzig | Beyerhaus

 

09.01.18 Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange in Leipzig | Beyerhaus

 

06.01.18  Wörterspeise Slam in Halle | Goldene Rose

 

12.12.17 Lesebühne Kunstloses Brot in Leipzig | Beyerhaus

"Jan Lindners Gedichte sind blitzend und schillernd bebilderte Geschichten, kunstvoll strukturierte Gebäude, feingewebte Glasfaserstoffe, die die Wirklichkeit konturieren, statt sie zu verschleiern und dem Schrecken vor dem Uferlosen Heim und Lachen geben." (Anne Kuhlmeyer, Am Erker)

 

"Wenn alles verloren ist, kann sie uns niemand nehmen: Die Sprache. Jan Lindner gibt sie uns in ihrer gewaltigsten Form – ein Gerüst zum Sein.“ (Björn Hayer, Literaturkritiker)

 

"Ich würde ihn als einen der großen Dichter der Gegenwart sehen, wenn unsere Gegenwart noch Platz für solche Dichter hätte." (Thomas Manegold, Autor)

 

"Dabei glänzt der Verfasser mit einem ganzen Zyklus an klassischen Sonetten, die an Ausdruckskraft und sprachlicher Wucht strotzen. Erhaben und virtuos sind seine Verse, bildreich und voller metaphorischer Kraft." (Peter Sailer, Zillo Musikmagazin)

 

"Nicht die Furcht des alten Mannes, sondern der Zustand des Grauens selbst wird thematisiert.“ (Patrick Siebert, Palmbaum)


"Unüberlesbar: Er mag diese Sprache und ihren Reichtum. Was ihn von Hunderten zeitgenössischer Autoren wohlwollend unterscheidet." (Ralf Julke, Leipziger Internetzeitung)

 

"Der noch nicht mal 30-Jährige, aus Jena stammende Jan Lindner ist eine Sprachhoffnung in einer von Wort überfluteten Welt. Was er schreibt, ist nicht einfach Wort, sondern ein behütetes Gebilde der Sprache…“ (Negative White)

 

"Manche Leute schreiben Gedichte und werden dafür ausgelacht. Lindner nimmt sich nun diversen klassischen Formen der Poesie an und füllt sie alle so sehr mit Inhalt und Emotion, dass man erst mal nicht mehr lachen möchte.“ (Dirk Bernemann, Autor u.a. von „Ich hab die Unschuld kotzen sehen“)

 

"So kann ich für mich sprechen: diese Lyrik gibt und verlangt viel. Doch was sich mir eröffnet hat, wird sich einem anderen Leser neu erschließen. Das ist spannend, überraschend und geht gegen den täglichen medialen Wortmüll an.“ (Edith Oxenbauer, T-Arts)


"Dabei spielt Lindner mit den Worten, wie ein Feuerspucker mit den Flammen.“ (Oliver Baglieri, Schwarze Presse)

Direktlinks zu den Rezensionen:

Leipziger Internetzeitung (Ralf Julke)

Am Erker und Culturmag

Palbaum und Wortwechsel
Pinguinismus Blog
Schwarze Presse (Oliver Baglieri)

T-Arts (Edith Oxenbauer)

Negative White (fs)

Zillo Musikmagazin, Mai 2013
Rezensent: Peter Sailer

Negative White, 14. Mai 2013
Rezensent: fs

Jan Lindner: Der Teddy mit den losen Kulleraugen

Warum dies, trotz des Titels, keine Kindergeschichte ist und Lyrik auch im 21. Jahrhundert Berechtigung findet und Qualität aufweist, lest ihr hier.

fs. Der Teddy mit den losen Kulleraugen ist eine Sammlung von Sonetten, Sonettkränzen und Gedichten des jungen Deutschen Jan Lindner. Seine Verse erzählen und reißen dabei mit. Seine Sprache ist keinesfalls veraltet, sondern modern. So erzählt er von den Kindern im Dorf, vom alten Mann neben dem Gartenzaun und auch von Frauengeschichten. Gezeichnet von poetischer Schönheit sind die einzelnen Sonette wie dieser Teil eines Kranzsonetts namens Der letzte Brief:

«So vieles zwischen uns blieb ungesagt,
Auch diese Worte werden jäh verschmieren:
Wenn ich dich hätt‘, ich könnte dich verlieren.
Ich liebe dich, doch hab‘ uns nie gewagt.»

Doch die Liebe kann bei Lindner auch ganz anders klingen:

«Man sollte nicht um alte Liebe trauern,
viel lieber bald auf neue Triebe lauern,
den Lichtkegel auf andre Weiber legen,
(natürlich nicht nur ihrer Leiber wegen).»

Wortgewandt und modern belebt Lindner diese alte Kunst und hat auch schon mehrere Auszeichnungen für seine Werke erhalten – so erreichte er 2012 den 1. Platz beim Juli im Juni-Schreibwettbewerb mit dem in diesem Buch enthaltenen Sonettkranz Vorm schwarzen Tor.

Der noch nicht mal 30-Jährige, aus Jena stammende Jan Lindner ist eine Sprachhoffnung in einer von Wort überfluteten Welt. Was er schreibt, ist nicht einfach Wort, sondern ein behütetes Gebilde der Sprache, die ich nicht mal wagte im Zug unterwegs zu lesen, sondern für zuhause aufhob, damit ich es in vollen Zügen aufsaugen konnte. Ein Beispiel, dass auch ein Philosophie-Studium etwas bringt, bedenkt man, dass Lindner in den jungen Jahren der Sprache ganz und gar abgeneigt war. 2009 erschien sein erster Gedicht Band Ein Suppenkasper gibt den Löffel ab.

Ich empfehle dieses Werk jedem Fan der lyrischen Künste und jedem, der nicht glaubt, dass Gedichte und Sonette in diesem Zeitalter noch gebraucht werden. Enthalten ist im Buch außerdem auch noch eine CD. Probetexte findet man auf seiner Homepage!

Der Teddy mit den losen Kulleraugen
Periplaneta Verlag, Berlin 2013
ISBN: 978-3-943876-60-4

Leipziger Internetzeitung, Feburar 2013 (Originallink HIER)

Rezensent: Ralf Julke

 

Deftige Wort- und Reimlust: Jan Lindners "Der Teddy mit den losen Kulleraugen"

 

Wahrscheinlich würde Gryphius Kopfschmerzen bekommen, Dante und Shakespeare würden an der Welt zweifeln. Die Welt des Gedichteschreibens hat sich verändert. Die Schwerpunkte haben sich verschoben, die enge Verzahnung von Inhalt und Form, die noch für das Barock zwingend war, hat sich in Moderne, Postmoderne, Post-Mortem-Moderne völlig aufgelöst. Nicht alles, wo Gedicht draufsteht, ist noch Gedicht. Aber zurück fährt dieser Zug nimmermehr.

 

Das ist nicht schlimm. Es öffnet Räume zum Ausprobieren, zur Suche nach neuen Möglichkeiten. Und es zwingt zu Qualität, auch wenn das seltsam klingt und schon die schiere Zahl der jährlich in Deutschland veröffentlichten Bücher eines garantiert: Es ist bergeweise Ungenügendes dabei. Davon wird nicht viel bleiben.

 

Und auch von der Spoken-Word-Szene wird nur eine Auswahl bleiben, wieder aufgelegt, rezitiert und gelesen werden. Die Szene lebt vom Tag und vom Spiel mit der Sprache. Der graduierte Philosoph Jan Lindner aus Jena gehört zu dieser Szene. Auch wenn er da in gewisser Weise ein Exot ist. Denn er hat sich intensiv mit klassischen Gedichtformen und ihrer strengen Anwendung beschäftigt. "Reimzwang" heißt die spezielle Edition bei Periplaneta, in der die Lyrik dort erscheint. Reime gehören bei Jan Lindner dazu. Er genießt das Spiel mit den strengen Formen. Wohl auch gerade deshalb, weil sie so alt wirken in einer Zeit, wo scheinbar alles offen und möglich ist.

 

Der Band enthält mehrere dieser strengen Gedichtformen, mit denen Lyriker immer wieder ihre Freude hatten: Schüttelreime, Limericks und zwei große Sonettenkränze, die das Spiel mit der strengsten aller Formen bis auf die Spitze treiben. Bis hin zum Meistersonett, in dem die Anfangszeilen der 14 vorhergehenden Sonette in ihrer Reihenfolge wieder aufgenommen werden und ein neues Sonett ergeben. Kleiner Verdacht dabei: Jan Lindner hat mit den beiden Meistersonetten angefangen und dann die 14 Sonette für den Kranz geschrieben.

 

Das ist wie ein Wettbewerb, dem sich der Autor stellt: Fällt ihm zu den nun einmal vorgegebenen Versen wieder was ein, das als eigenes Gedicht funktioniert und sich wieder schließt, weil es am Ende Vers Nr. 2 ergibt, der das nächste Sonett folgen lässt? Und: Ergibt das wieder Sinn? Korrespondieren die 14 Kranz-Sonette miteinander, werden sie auch inhaltlich ein Kranz? - Der Versuch ist es wert. Der Versuch hat aber auch Folgen, die man selbst aus den Werken der großen Meister der Form kennt: Wenn die Form zwingend ist, bleibt nicht viel Spielraum, dem Gang der Assoziationen zu folgen. Man muss im Maß bleiben, im Vers- und Reimmaß. Das bringt Dinge an die Oberfläche. Fast zwangsweise.

 

In diesem Fall: das, was den Autor selbst umtreibt. Er möchte ja nicht gern als wandelnder Philosoph bezeichnet werden. Aber was beschäftigt Autoren, wenn nicht das große Nachdenken über das Leben - und den ganzen Rest? Auch wenn einer erst 27 ist. Oder schon 27. Da hat das Leben in der Regel aufgehört, unendlich zu sein. Da denkt man schon - zumindest ganz, ganz vorsichtig - ans Ältersein. Davon lebt in diesem Fall Sonettenkranz Nr. 2 - "Am Schwarzen Tor", in dem der Tod zwei Gestalten vereint - den Jungen mit seinem Teddybären im Auto, das in einen Unfall verwickelt wird, und den Alten "vorm schwarzen Tor". Flashbacks verbinden das Jetzt und das Es-war-einmal. So, wie Flashbacks die Erinnerung der Alten mit den fernen, metaphysischen Momenten der Kindheit verbinden. Alles ist miteinander verbandelt. Aber zurück kann keiner. Nichts ändern, nichts wieder gut machen.

 

Der Bursche will kein Philosoph sein?

 

Glaub das mal einer.

 

Und auch im ersten Sonettenkranz "Die Siedlung am Fluss" geht es um Zeit und Vergänglichkeit - und um das Gefährdetsein alles Tuns. In diesem Fall: dem, was die Bewohner einer kleinen Stadt am Fluss tun in dem Moment, als das Unheil über die Stadt hereinschwemmt - als große Flut. Die Bilder changieren - es könnte auch der Krieg sein, der mit gesichtslosen Söldnern in die Stadt marschiert. Oder der Berg, der zerstörerisch über die Kinder, die Alten, die Angler, die Briefeschreiberinnen kommt. Eben noch ein Liebesbrief voller Bedauern - und dann schon die schöne Wasserleiche? Ein bisschen Poe, ein bisschen Hamlet ... -aber irgendwie auch das, was die Menschheit tagtäglich auf allen Kanälen beglückt. Die große Zerstörung, die andere heimsucht, kann auch unversehens hier passieren, in der scheinbar so geschichtslosen Stadt am Fluss. Mitten im gedankenlosen Tun. Und das durchaus mit der Wortwucht des Expressionismus. Die findet man bei Lindner. Er genießt sie. Er hat keine Scheu vor satten Worten. Er säuselt nicht. Er spielt lieber.

 

Unüberlesbar: Er mag diese Sprache und ihren Reichtum. Was ihn von Hunderten zeitgenössischer Autoren wohlwollend unterscheidet.

 

Er mag auch ihre Tücken, Fallstricke und Zweideutigkeiten. Das zuckersüße Mädchen kann Vieles sein - Madame und Bettelkind. Das Spielen am Fluss kann zum Aufbruch werden zur großen Fahrt. Manche Bilder grell, drastisch überzeichnet. Fast boshaft dick der Farbauftrag. Der Autor geht verbal - so scheint's - auf Distanz. Und malt doch alles plastisch genau. Er kann den Blick nicht abwenden. Die Zerstörung fasziniert ihn. Es steckt was dahinter, so wie auch bei den Expressionisten was dahinter steckte. So eine Ahnung, ein großes Ungeheures haut den so scheinbar banalen Moment zu klump.

 

Auf der beigelegten CD liest Lindner seine Gedichte.

 

So eine Art Vorwort gibt es noch - "Zum tröstenden Geleit". Aber das kann man sich schenken. Es führt den Leser nur in die Irre. Suggeriert auch eine Untröstbarkeit, die die Gedichte gar nicht haben. Auch wenn Lindner mit Endzeit-Motiven spielt. Na und? - So ist unser Dasein hier auf Erden. Es gibt nichts, was uns vor dem Finale schützt. Und Manches, was wir dabei tun und erleben, wirkt mit dem distanzierten Blick des Autors natürlich banal, skurril, hilflos, irritierend ...

 

Aber auch davon lebt das, was Lindner mit seinen Gedichten macht: Von der ironischen Distanz. Die böse sein kann, an vielen Stellen auch makaber. Das gehört zum Spiel. Und es scheint zu funktionieren. Auch auf den Bühnen, auf denen Lindner auftritt. Das ist was für Zuhörer, die sich gern gruseln lassen, mitreißen lassen von Gedichten, die noch spielen mit unserer Sprache und nicht so tun, als sei deftig kein Wort für den Wortgebrauch.

 

Am 16. März ist Lindner beim "Messe Slam" der HTWK zur Leipziger Buchmesse zu erleben.

Schwarze Presse, April 2013 (Originallink HIER)
Rezensent: Oliver Baglieri

 

Da liegt es vor mir, klein, bescheiden wirkend, nicht verratend, was es birgt und verweht, ist es einmal geöffnet. Die Rede ist vom jüngsten Buch des Leipziger Philosophen und Schriftstellers Jan Lindner, welcher es sich nicht nehmen lässt, längst vergangene Kunstformen zu neuem Leben zu verhelfen, ohne auf Spaß, schwarzen Humor und einer Prise höchsteigenen Zynismus zu verzichten.

Grault es doch wohl den Meisten beim Klang des Wortes „Sonett“, schleudert Lindner seine Strophen meisterhaft durch die Landschaft der Buchseiten, immer fein treibend, beinahe wie eine Jagd, deren Ausgang mit jeder Zeile, jedem Vers neu erdacht werden kann. Und muss. Dabei spielt Lindner mit den Worten, wie ein Feuerspucker mit den Flammen. Und so hochkomplex die Texte und Inhalte, die gesamte Struktur das fachlichen Könnens dieses Ausnahmeliteraten sind, so einfach nimmt er uns sprachlich an die Hand und führt uns durch die Welt einfacher und klarer Worte, ohne Scheu, neue Formen aus diesen zu kreieren.  Und selbst alte Worte derart in die Gegenwart zu tragen, dass diese neben Bit und Byte, neben iPad und iPod bestehen können. Überlackiert, wie Oldtimer, die ohne Aktualität hinsichtlich einer zeitgemäßen Nutzung zu wahren Lieblingsstücken avancieren und Lust machen auf den Gebrauch mit diesen. Und verliert man sich erst einmal in diesem lyrischen Kleinod, ist man gefordert, sich fallen zu lassen. Um Lindners weites Reich der Phantasie zu entdecken. Somit meinerseits eine ganz ganz klare Empfehlung für alle, die dem Klang der Worte und ihren abstrakten Gerüsten verfallen sind, die noch wissen, was es heißt, vom Zauber und der Gewalt der Sprache zu reden.