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04.11.17 Lesung "Poetenpalaver" in Glashütte | tba

 

27.10.17 Krimi-Slam in Leer | Kulturspeicher

 

24.10.17 Lesebühne Kunstloses Brot in Leipzig // Beyerhaus

 

21.10.17 Lesung anlässlich der Aktion von Thomas Seifert in Leipzig | tba

Nachfolgend Video und Text zur Balkonszene (2. Akt, 1. Szene) aus dem entstehenden Theaterstück "Romeo und Julia: Reanimiert". Es wird fünf Akte und 17 Szenen umfassen.

Julia steht auf dem Balkon ihres Zimmers, als Romeo unten aus einem Gebüsch gefallen kommt. Unnötigerweise überkugelt er sich anschließend drei Mal, um das Missgeschick zu kaschieren. Er rappelt sich auf und beginnt zur Angebeteten emporzusprechen.

 

ROMEO. O Julia! Welch Wonne, dich zu seh'n!

O schautest du die tolle Dreifachrolle

und dabei meine vollen Haare weh'n?

Ich habe alles gut unter Kontrolle!

 

JULIA. O Romeo! O ja, ich nahm es wahr!

Ich dachte erst, ein Igel rollt durch's Beet

wie manchentags um diese Zeit im Jahr.

Dass ihr es aber seid – ich sah es spät.

 

ROMEO. (Zunächst verunsichert, dann entschlossen.)

Wie gut, wie gut... Dann bleib ich schwer zu fangen!

Wenn Dunkelheit und Turnkunst mich verdecken,

dann müssen wir nicht um die Zukunft bangen!

 

JULIA. Doch willst du dich denn ewig so verstecken?

Wenn manche meiner rüden Vettern wüssten,

dass wir, o Monumentague, uns küssten -

ihr wärt nach zwei, drei Hieben schnell gewesen.

Denn, ach!, ein Name lässt sich nicht zerknüllen.

Geburtsurkunden sind, trotz Eselsohr

und angesengt, noch irgend nachzulesen.

Auf Dauer wird der Zufall uns enthüllen.

Sagt, stellt ihr euch denn so die Zukunft vor?

 

ROMEO. Ich seh' die Zukunft nur in deinen Augen.

Sobald sie über meinen Wegen funkeln,

tapp' ich für dich gern tausendmal im Dunkeln -

dann können selbst die Hiebe mir nichts taugen!

Ich schmeck' die Zukunft nur von deinem Munde.

Denn sagst du: „Wir“, dann will ich nichts mehr wissen

und jenes Wort von deinen Lippen küssen -

dann heilte selbst die allergröbste Wunde.

 

JULIA. Ein Wohlklang ist's, wenn ihr uns zweisam nennt!

Doch selbst, wenn ihr mich holder noch umwerbet,

für uns're Liebe tausend Tode sterbet -

der Name bleibt, der uns auf ewig trennt!

Ach, könntet ihr nicht einfach anders heißen?

Was weiß der Name Monumentague,

ein Wort – gesprochen oder auf Papier -

denn schon an klarem Inhalt zu umreißen?

Es könnt' auch meinen: „Apfel“ oder „Schuh“,

„Topf“, „Deckel“, „Schatzi“ oder eben: „Wir“.

Schmeckt das nicht schal, auf Worte so zu schwören?

 

ROMEO. Du hast wohl recht, doch kämen sie von dir,

dann wär's mir lieb, nichts and'res mehr zu hören.

Mein eig'ner Name aber ist mir fremd,

seit er sich gegen uns're Liebe stemmt.

 

JULIA. Ich muss gesteh'n: Wenn ihr die Worte sprecht,

muss ich mich selber ihrem Klange beugen,

denn eure Augen geben ihnen recht.

Doch wollt ihr mich mit Nachdruck überzeugen,

dann reicht das nicht: Gebt uns'rer Liebe Futter,

nehmt euch ein Herz und schwört bei eurer Mutter!

 

ROMEO. Bei meiner Mutter schwör' ich allemal!

Bei Vater, Onkeln, Tanten, Brüdern, Schwestern...

 

JULIA. Da fällt mir auf: Das klingt doch recht banal.

Der Schwur auf die Familie ist von gestern!

Und woll'n wir uns vom Namen doch entfernen...

 

ROMEO. Dann schwöre ich bei Sonne, Mond und Sternen!

 

JULIA. Dies wiederum ist allzu weit entfernt,

denn Himmelskörper lassen sich nicht greifen.

Wie wär's, wenn wir nicht allzu weit abschweifen,

ihr uns're Lieb' mit Irdischem besternt?!

 

ROMEO. O, gut. Dann schwöre ich bei der Fritteuse,

bei Pokemon und bei Delphingequieke,

darauf, dass ich nie Kreuzworträtsel löse,

bei Fallrückzieher-Toren mit der Pike.

 

So schwör' ich auch bei meiner großen Zehe,

Computerspielen, Cheats und Speicherständen,

bei denen ich grad' vor dem Endboss stehe,

bei Horrorfilmen, die recht „happy“ enden.

 

Ich schwöre, schwöre, schwöre immer weiter.

Solange du mich für dich schwören lässt,

ist Hoffnung mein beständiger Begleiter.

 

Ich stehe für dich unter Schwur-Arrest

und schwöre groß, klein, eckig und oval,

gasförmig, flüssig, schlüssig und final.

 

AMME. (Ruft von hinter der Bühne.)

Mein Gind! De Muddorn ruft zum Abndessn!

 

JULIA. (Schreckt kurz zusammen, dreht sich um und ruft zurück.)

Ja, gleich!

(Wieder zu Romeo.)

O Romeo, ich bin entzückt,

wie ihr bei echten Frau'n die Knöpfe drückt...

 

AMME. Nu nu! Un Händewaschn nich vorgessn!

 

JULIA. (Etwas beschämt. Dann zur Amme.)

Ich komme doch! So gebt mir zwei Sekunden!

(Zu Romeo.)

Verzeihet mir, ich muss schon gleich hinfort.

Doch vorher noch: Ihr schwöret wirklich gut!

Obschon Eins fehlt, den Schwur recht abzurunden:

Das teflontreue Band, das große Wort,

das JAJAJA! - ICH WILL dich bis auf's Blut!

Denn wenn wir via Heirat uns verbandeln,

so wird formelle Feindschaft schlicht vergeh'n,

da wir per Namen uns in Eins verwandeln

und nichts wird jemals zwischen uns mehr steh'n!

 

ROMEO. O Julia! Welch himmlische Idee!

 

AMME. (Immer noch hinter der Bühne, rein zufällig mit ähnlichem Wortlaut.)

Ou Julia! Welch himmlüsches Büffeh!

 

ROMEO. (Kann die Amme nicht hören und fährt also unbeeindruckt fort.)

Das könnt' auf lange Sicht die Lösung sein!

Doch sollten wir nicht allzu sehr drauf pochen,

dass schlagartig für Feindschaft, Zank und Pein

mit unser'm JA das letzte Wort gesprochen.

Ich schlage vor, wir heiraten verdeckt.

Und zwar wie folgt: Ich kenn' da einen Mann,

dem ich vertrau und der uns trauen kann -

ein echter Pfarrer, gut und unbefleckt!

Der hilft uns in der Sache sicher weiter

und hat, bei Gottes Ohr und meiner Stimme,

in seinem Keller sogar eine Leiter,

auf dass ich dein' Balkon schon bald erklimme!

 

JULIA. Wie geil ist das denn?! Ja, so soll es sein!

Ich werd' dir morgen, wenn der Tag noch dämmert,

die Amme schicken, die sich gerne kümmert -

die ist zwar schrullig, doch vom Herzen rein.

Dann sollst du ihr 'ne Lobeshymne singen

und Uhrzeit, Ort und Leiter überbringen.

 

AMME. (Hat offenbar die Geduld verloren. Brüllt.)

Ou weiche, Pubordät! Ich gloob, es hackt!

Nu käs' dich aus un gomme angespackt!