Aktuelle Termine:

 

25.07.17 Topical Island Poetry Slam in Leipzig // Beyerhaus

 

13.07.17 Talent-Show in Leipzig | Pool Garden

 

11.07.17 Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange in Leipzig | Beyerhaus

 

07.07.17 Westslam Open Air in Leipzig | Robert-Koch-Park

 

27.06.17 Lesebühne Kunstloses Brot in Leipzig // Beyerhaus

 

24.06.17 Lesung auf dem Literaturfestival JuLi im Juni in Weimar | Projekt EINS

Ein Sonettenkranz besteht aus 14 + 1 Einzelsonetten, wobei die letzte Zeile des ersten Sonetts zugleich der ersten Zeile des zweiten entspricht, die letzte Zeile des zweiten zugleich der erster des dritten und so weiter bis zum 14. Sonett. Das 15. Sonett, das sogenannte Meistersonett, besteht zusammenfassend und in unveränderter Reihenfolge aus allen Anfangs- bzw. Endzeilen der Einzelsonette.

 

Nachfolgend sind die Sonette V - IX sowie das Meistersonett aus dem Sonettenkranz "Die Siedlung am Fluss" aufgeführt. (Buch: "Der Teddy mit den losen Kulleraugen", Periplaneta 2013)

Sonett V: Tornado

 

Erst fegt es Laub und Kies, dann größre Batzen.
Am Himmel hängt ein trächt'ger Wolkenbauch,

aus dessem Nabel ragt der Wetterschlauch,

der saugt und wirbelt Stühle, Dächer, Katzen


und übern Acker dreht er Pirouetten.
Ein Bauer ruft nach seinem Töchterlein
und findet sie mit eingeklemmtem Bein,
als Nachbarn sich in einen Bunker retten.

Dann ziehts das Ungetüm wie an der Schnur
zur Straße hin, es tobt und wütet, nur -
es kennt kein Gut, kein Böse, kennt kein Ziel.

Was kommen mag, was weiche und was bleibe,
das sei der sel‘gen Willkür Lust und Spiel.
Ein Kinderwagen klatscht auf eine Scheibe.

Sonett VI: Die Straße

 

Ein Kinderwagen klatscht auf eine Scheibe

des Taxis, auf dem Weg ins Hospital.

Die volle Bremsung äußert sich fatal.

Der Frau im Rücksitz drückts im Unterleibe.

 

Ein Reifenquietschen, starrende Passanten,

und - einundzwanzig, einundzwanzig - KRACH!

Ein andres Auto schlittert auf dem Dach,

dass Funken sprühn und rast in den Hydranten.

 

Auf einer Parkbank liegt mit eignem Ton

ein Knabe, eingenickt, mit Jazz im Ohr.

Er phantasiert vom unerreichten Weibe.

 

In einer Häuserwand ist Endstation

der Klassenfahrt, es bricht ein Wasserrohr:

Wie Messbehälter füllt sich eine Bleibe.

Sonett VII: Der letzte Brief

 

Wie Messbehälter füllt sich eine Bleibe.

Ein Mädchen sitzt am Tisch, die Füße feucht,

als Wasser sprengend aus dem Rohr entfleucht:

„Dies ist ein letzter Brief, den ich dir schreibe.

 

So vieles zwischen uns blieb ungesagt.

Auch diese Worte werden jäh verschmieren:

Wenn ich dich hätt‘, ich könnte dich verlieren.

Ich liebe dich, doch hab‘ uns nie gewagt.“

 

Der Wasserspiegel steigt im Hintergrund,

wie unsichtbares Gas durchs Zimmer schleicht.

Sie liegt nur da, der Körper aufgeweicht,

 

und atmet kaltes Nass in ihren Mund.

Dann der Reflex: ein letztes Scheibenkratzen,

als Fenster und Laternengläser platzen.

Sonett VIII: Die Spannungsquelle

 

Als Fenster und Laternengläser platzen,

verstummt der drohnde monotone Ton:

Die Kirche dröhnt und drängt zur Religion,

am Eingang winken supernette Fratzen.

 

Die Menschen kommen scharenweis‘ herbei,

weil finstertiefe Einsichten vernichten.

Der Pfarrer weiß Geschichten zu berichten,

die trösten uns. Der Glaube macht uns frei

 

für Selbstverleugnung und für Heuchelei.

Dort am Altar erwächst was, zuckt und blitzt,

geladen ist’s und sichtlich überhitzt,

 

ein gleißend Ding, pulsierend und derlei

ein Konterfei und ausgesprochnes Sein:

Der Strom - er frisst nun alles in sich rein.

Sonett IX: Die Kirche unter Strom

 

Der Strom: Er frisst nun alles in sich rein

und feuert durch den Saal Elektrobälle,

die surrend ziehn wie kleine Engelein,

geboren aus der Wahrheit Spannungsquelle.

 

Die Menschen rennen wirr umher und schrein:

Ein kurzer Schlag verkokelt auf der Stelle

und flimmert grienend wie ein heil’ger Schein,

auf dass er Körper innerlich erhelle.

 

Der Pfarrer sieht, die Messe ist gelesen,

denn Sterben ist, wenn nichts geschrieben steht.

Für echte Sühne ist es jetzt zu spät;

 

der Beichtstuhl flackert auf und ist gewesen.

Der Strom: Er bringt die Hallen neu in Schuss,

entartet, was entankert werden muss.

Meistersonett: Die Siedlung am Fluss

 

Der Tag ergießt sich wie aus prallen Fässern,

die ruppig aufgepflockt jetzt satt zerfließen

und prasselnd auf die weiten Straßen schießen:

Auf auf, zu neuen tragenden Gewässern.

 

Erst fegt es Laub und Kies, dann größre Batzen.

Ein Kinderwagen klatscht auf eine Scheibe.

Wie Messbehälter füllt sich eine Bleibe,

als Fenster und Laternengläser platzen.

 

Der Strom: Er frisst nun alles in sich rein,

entartet, was entankert werden muss,

und reißt es mit sich fort - aus einem Guss

 

zerschmettert er die Siedlung querfeldein;

bis abendlich das Flussbett stille liegt

und aufgedunsne Leiber kost und wiegt.